Es war einmal ein Deutschunterricht, um nicht zu sagen ein wieder sehr aufschlussreicher, informativer und spannender Deutschunterricht, so wie wir es von Herrn Blass gewohnt sind. Ein sonniger wunderbarer Tag an dem wir uns nichts tolleres vorstellen konnten als in diesem geschmackvoll eingerichteten Klassenraum (Raum 316, Gruppenführung auf Voranmeldung Dienstags und Mittwochs in der 2ten großen Pause) dem engelsgleichen Klang der Stimme unseres Idols zu lauschen, selbst Aarons Augen strahlten vor Glück und ein Lächeln umspielte seine Lippen. Die Zeit verging mal wieder viel zu schnell wie in jeder genialen Deutschstunde. Wir befassten uns gerade intensiv und hochmotiviert (es war die 5. Stunde) mit einem sehr anspruchsvollen Auszug aus Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) 1779 erschienen Dramas „Nathan der Weise“ um genauer zu sein mit dem 7. Auftritt des 3. Aufzugs. Dieser Abschnitt behandelt die wahrscheinlich wichtigste Frage im Leben eines Menschen „Die Frage nach der wahren Religion“. Für uns gab es in diesem Moment Selbstverständlicherweise nichts wichtigeres, im Gegensatz zu Tom und Lukas, die wiederholt krampfhaft versuchten ihre sexuellen Fantasien an einander auszulassen ohne die Aufmerksamkeit von Herrn Blaß zu erregen. Anders als in der von Tom bereits vor geraumer Zeit veröffentlichten Stellungnahme wollen wir nicht näher auf dieses Thema eingehen. Zurück zum Thema, in dieser wie bereits besagten Stunde bekamen wir plötzlich einen Intelligenzschub, der sich bei uns durch ständiges Aufzeigen und Hyperventilieren bemerkbar machte. Ein verzweifelter Blick von Herrn Blaß machte uns darauf aufmerksam, dass wir durch unsere erstaunliche, geistige Bestleistung unsere Mitschüler an der erfolgreichen Mitarbeit im Unterricht abhielten. Doch wir hatten Angst die Stunde könnte bereits vorbei sein ohne das wir unsere Geistesblitze archiviert und für die Nachwelt erhalten hätten. Plötzlich sahen wir in der Mitte unseres Tisches ein schneeweißes, DinA-4 großes, unbenutztes, kariertes Blatt liegen. Wie auf Kommando griffen wir zu unseren HB Bleistiften und ließen das weiße Blatt Papier in Kombination mit dem Deutschunterricht auf uns wirken. Zögernd begannen wir erst langsam dann immer schneller unseren kreativen Beitrag zum Deutschunterricht zu leisten. Unsere HB Bleistifte begannen bereits zu qualmen. Wir möchten hier noch einmal darauf hinweisen, dass wir während der gesamten Zeit immer noch voller Spannung Herrn Blaß Stimme lauschten. Auf den ersten Blick sah das Ergebnis sehr abstrakt und auf eine gewisse Weise etwas infantil aus, aber bei einer genauen Betrachtung sah man die versteckten Beziehungen zum Deutschunterricht. Es fehlten nur noch wenige kleine Details um das Meisterwerk zu vollenden und die darin verborgene Genialität auf den ersten Blick sichtbar zu machen. In diesem Moment trat eine beklemmende Stille im Klassenraum ein, da niemand eine Antwort auf Herr Blaß Frage wusste, blickte dieser uns Hoffnungsvoll an. Da sah er das Werk unserer Kreativen Aggressionsbewältigung. Majestätisch und mit erhabenen Schritten näherte er sich mit einem leicht hämischen Grinsen auf den Lippen unserem Tisch. Würdevoll hob er das Blatt auf und blickte zuerst dieses, dann uns verständnislos an. Jeder Rechtfertigungsversuch schien ausweglos. Es war beinahe als würde unser Lieblingslehrer sich plötzlich gegen uns wenden. Er gab uns den Zettel zurück, lachte uns voller Genugtuung aus und zwang uns zu dieser Übungsaufgabe, die uns, wenn wir das mal bemerken dürfen, sehr viel Spaß bereitet hat und unseren intellektuellen Horizont um einiges erweitert hat. Noch einmal ein großes Danke an unseren Förderer.
Ebenso möchten wir darauf hinweisen, dass der oben genannte Vorfall, in unseren Augen keine Störung des Unterrichts, sondern eher ein verzweifelter Versuch uns am Unterricht zu beteiligen ohne uns bemerkbar zu machen war. Auf uns hatte dieser Versuch eine ungemein beruhigende Wirkung. So eben sind wir zum Patentamt gegangen um diese Entspannungsmöglichkeit patentieren zu lassen, leider wurden wir nur unzureichend beraten, was wiedereinmal das Unverständnis der Mitmenschen gegenüber Genies wie uns gut darstellt. In Zukunft hoffen wir uns, dass unsere kreativen Beiträge zum Deutschunterricht mehr Anerkennung und Verständnis erfahren.
Hochachtungsvoll und voller Respekt
